Henni Liz Borßdorff

Henni Liz Borßdorff

Henni Liz Borßdorff

Henni Liz Borßdorff wurde an einem bemerkenswert unruhigen Sonntag in Brüssel geboren.

Draußen war Sturm. Es regnete in Strömen, jemand hatte den Autoreifen des Wagens ihres Vaters zerstochen, weil dieser vor einer Einfahrt stand, das Telefon streikte und man konnte weder den Notdienst noch ein Taxi rufen. Wie umsichtig, dass Herr und Frau Borßdorff die Reise zu guten Geschäftspartnern wegen der fortgeschrittenen Schwangerschaft zusammen mit einer befreundeten Krankenschwester unternommen hatten. Sicher ist sicher. So kam Henni Liz zwischen Nachmittagskaffee mit Tarte Citrone und einem an sich opulent geplanten Abendessen, auf das Frau Borßdorff der Umstände halber verzichtete, etwas vorzeitig zur Welt.

Um dem bürokratischen Papierkram aus dem Weg zu gehen, meldete Herr Borßdorff seine kleine Tochter erst am folgenden Dienstag am Standesamt in Essen an. Bezeichnend, dass das Kind Brüsseler Waffeln zu seinem Lieblingsgericht erklärte, sobald es sprechen konnte.

Fast hätte Henni diese Welt gleich wiederverlassen müssen, als sie mit sechs Wochen Keuchhusten bekam. Kaum hatte das kleine Mädchen nach zähem Ringen den Tod weggeschickt, stand er drei Monate später schon wieder an ihrem Bettchen – die Mutter hatte das Badetuch auf dem altmodischen Gasofen liegen lassen. Der Großvater, der mit im Hause Borßdorff lebte, fand den Brandgeruch ungewöhnlich, ging der Sache nach und rettete mit Hilfe des städtischen Unfall- und Rettungsdienstes seiner kleinen Enkelin zwar knapp, aber immerhin erfolgreich das Leben.

Das Atmen blieb Hennis Problem, denn die Lunge spielte ein dummes Spiel und das hieß Heuschnupfen. Aus dem Heuschnupfen wurde Asthma – und bald gehörten wunderbare Aufenthalte am Meer und in den Bergen zu Hennis Leben, weil das so ungeheuer gut tun soll.

An den Fenstern der Pension im Gebirge waren Eiskristalle. In ihrem Kinderkoffer lag die „Schneekönigin“. Das Leben war schön.

Mit zehn Jahren schrieb sie ein Kinderbuch für ihre kleine Schwester: Teddy Puschelohr und seine Freunde. Sie illustrierte die herzergreifende Geschichte und nähte die Seiten aneinander. Das Werk existiert immer noch…

Als ihre eigenen Kinder klein waren, erfand sie jede Menge Geschichten. Wie das bei Müttern schon mal sein kann, setzte sie sich eines Tages vor ein leeres Blatt und kritzelte eine Skizze, versah sie mit Namen, malte Verzweigungen, die wie ein Kanalsystem aussahen, nahm ein neues Blatt und dann noch eins, bis der ganze Küchentisch voller Notizzettel mit beschrifteten Kanälen war.

In unregelmäßigen Abständen verfasste sie eine abenteuerliche Story – einen Vorläufer des „Winterjungen“.

Irgendwann schrieb sie komplette Bücher, die unter anderem Namen veröffentlicht sind.

Und eines Tages kehrte sie zum „Winterjungen“ zurück – genau genommen nach einem Skitag in den Dolomiten auf einer einsamen Hütte am Ende der Welt am San Pellegrino Pass. Wieder nur mit einem Notizblock bewaffnet, weil sie ohne Laptop verreist war.

Der Roman „Winterjunge“ fand im GoldHouse-Verlag sein Zuhause.